In & Um Drehna

Schloss vom blauem HimmelGESCHICHTE DER  STANDESHERREN — Aus der früheren Geschichte ist nur bekannt, dass 1291 die Brüder von Drauschkowitz und 1489 Christoff von Maltitz auf Drehna gesessen haben. Der erste Besitzer, von dem wirklich Interessantes überliefert ist, ist Hans von Minckwitz, gestorben 1516 zu Sonnewalde. Dieser hatte 3 Söhne, die zunächst die Güter gemeinsam bewirtschafteten. Caspar von Minckwitz hatte schon in Drehna gewohnt, seine Verwandten waren zunächst in Sonnewalde ansässig und sind erst nach dem Verkauf von Sonnewalde nach Drehna gezogen. Drehna war seit 1663 Herrschaftssitz - somit zählt der Ort zu den jüngeren Standesherrschaften in der Niederlausitz. Allmählich entwickelte sich der Ort zu einem Marktflecken, blieb aber verwaltungsmäßig eine Landgemeinde. Besonderen Aufschwung erhielt Fürstlich Drehna durch die letzten drei Herrschaftsfamilien der Grafen zu Promnitz (1697-1793) und zu Lynar (1793-1877). Der Graf zu Lynar wurde 1807 in den Fürstenstand erhoben, daher rührt auch der Ortsname Fürstlich Drehna (um 1850). Besonders förderlich war für den Ort auch der reiche Bremer Reeder und Handelsherr Christian Heinrich Wätjen (1877), der sich in Fürstlich Drehna angesiedelt hatte.

Schloss mit WassergrabenMitte des 16.Jahrh. gehörten zur Herrschaft folgende Dörfer: Drehna, Tugam, Stiebsdorf, Babben, Schrakau, Gollmitz, Bronkow, Rehain, Klein und Groß Bahren, Ponsdorf, Gröbitz, Breitenau, Bergen, Uckro, Pickel-Pitschen, Rüdingsdorf, Altenow, Presenchen, Gliechow, Mallenchen und die Waltersdorfer Mühle. Hans Friedrich von Minckwitz geriet während des 30-jährigen Krieges durch seine Gläubiger so in Bedrängnis, dass er dem Kurfürsten J-G von Sachsen 1629 Ponsdorf und Gröbitz sowie weitere Orte dem Generalmajor Wolffersdorf verkaufte. 1654 übernahm den zusammengeschrumpften Herrschaftssitz mit 10 Dörfern und Gütern sein Vetter Loth Gotthardt von Minckwitz.

1697 kaufte Graf von Promnitz auf Pleß die Orte Sorau und Triebel für 80.000 Reichstaler und 500 Speziesdukaten, welche als Schlüsselgeld an Frau Katharina von Minckwitz zu zahlen waren, den gesamten Besitz. Nachdem der Graf 1703 verstarb, trat seine Gemahlin Emilie Agnes Gräfin von Reuß die Herrschaft an. 1711 wurde sie mit Friedrich, Herzog zu Sachsen-Weißenfels, der 1715 schon verstarb, vermählt.  Sie schlug dann ihren Witwensitz in Dahme auf. Nach ihrem Tode 1729 fiel die Herrschaft an ihren Enkel, den Grafen Balthasar Friedrich.  Von den Verfassern der „Fragen“ von 1696 werden die schönen Heiden, Jägereien und Fischereien der durch den Ankauf von Bredno, Pademack und Gollmitz auf 13 Dörfer und 2 Rittergüter anwachsenden Herrschaft Drähne gerühmt.

Schlossgraben1793 kaufte Graf Moritz Ernst zu Lynar aus dem Hause Lübbenau die Herrschaft und wurde damit der Stifter einer zweiten jüngeren Linie dieses Hauses, welches italienischer Herkunft ist. 1807 erhob Kaiser Franz I den Grafen in den österreichischen Fürstenstand. Der Sohn des Fürsten, Rochus Otto Manderup Heinrich, überlebte seine Söhne und starb 1860. Die gesamte Herrschaft, die seine verwitwete Schwiegertochter Frau v. Gollmitz erbte, umfaßte das Schloß, 4 Vorwerke und 11 Dörfer mit rund 1900 Einwohnern. Der zweite Gemahl der Frau v. Gollmitz, Freiherr v, Eckardstein, verkaufte 1877 die 5000 ha umfassende Herrschaft für 1,8 Mill. Goldmark an den Reeder zu Bremen, Christian Heinrich Wätjen, dessen Sohn Johannes Carl 1884 den Besitz antrat und 1888 durch Kaiser Friedrich geadelt wurde. Er war Patron über die Parochi mit den Orten Gollmitz, Babben und Fürstlich Drehna. 1928 verstarb er im Alter von 68 Jahren und wurde in seinem Park beerdigt. Das Patronat erhielt seine Frau, eine geb. von Löbenstein der ältesten Tochter des Rittergutbesitzers von Sallgast. 1929 heiratete sie den Rittmeister  Herrn Wallenberg-Pachaly auf Illwisch (Bezirk Breslau) und zog mit ihm dorthin. Im April 1945 wurde Wallenberg-Pachaly mit seinem Kutscher in der Nähe von Hohenbuckow irrtümlicher Weise erschossen und im Wald begraben.

Sicht aus dem Park zum SchlossErst im November brachte man die Leichname nach Fürstlich Drehna, wo sie im Friedhof beigesetzt wurden. 1994 veranlaßte der Erbe der Herrschaft Fürstlich Drehna die Umbettung des Herrn von Wallenberg-Pachaly in das Erbbegräbnis im Park. Die Witwe flüchtete  im Mai 1945 auf das Rittergut Halchter zu dem Neffen des Bremer Reeders, wo sie bis 1953 lebte. Der gesamte Gutsbesitz wurde nach 1945 durch die Bodenreform neu aufgeteilt. So bekamen ansässigen Familien sowie Flüchtlinge, die hier eine neue Heimat fanden, Ländereien und Gebäude des ehemaligen Gutsbesitzes.

Das Schloß wurde im nachfolgenden Zeitabschnitt auf unterschiedliche Art und Weise genutzt. So waren in den ersten Monaten nach Kriegsende Flüchtlinge untergebracht. Ende der 40ziger Jahre richtete die Landesregierung Brandenburg ein Arbeiter-Erholungsheim ein. Bis zu diesen Zeitpunkt wurden alle Kostbarkeiten und sämtliches Inventar aus dem Schloss entwendet. Nur drei Möbelstücke befinden sich im Museum der Stadt Dahme. Mitte der 50ziger Jahre zog die Parteischule des Handels ein, Anfang der 60ziger dann eine Forstschule und von 1972 bis 1986 wurde es als Heim für schwer erziehbare Jungen (Jugendwerkhof) genutzt. Seit dieser Zeit stand das wunderschöne Wasserschloss leer. Nur eine kurze Zeit von 1989 – März 1990 war die ehemalige Gebäudewirtschaft (ehem. DDR Wohnungsbau- und Verwaltungsbetriebe) Luckau eingezogen, da der Bezirk Cottbus die Einrichtung einer Schule plante. Mit der politischen Wende in der DDR kam auch die Auflösung der Wohnungswirtschaftsbetriebe, somit zerschlug sich die Hoffnung auf eine solche Nutzung. Um das Schloss vor größeren Spekulationen zu bewahren sowie das durch die Bodenreform in verschiedenste Eigentumsformen zersplitterte Schlossensemble wieder zusammenzuführen, beantragte die Gemeinde Fürstlich Drehna die Übertragung aller Gebäude in kommunales Eigentum.

Schloss im Winter, alles ist Schnee bedeckt, Bäume Dächer und Boden. Strahlend blauer HimmelBis Ende 1992 kamen allerlei Leute ins Dorf, die mehr oder weniger Interesse am Schloss zeigten. Immer wieder kursierten im Dorf Gerüchte, dass Interessenten bereit waren mehrere Millionen für das Schloss zu bezahlen. Es war aber nie ein ernst zunehmender Interessent wirklich bereit, das Schloss und die dazugehörigen Gebäude und Anlagen zu übernehmen. Erst durch die Brandenburgische Schlösser GmbH (BSG), die sich seit 1993 für die Schlossanlage interessierte, wurde das Hin und Her beendet. So wurde 1995 für eine symbolische Mark das Schloss, der Landschaftspark, das Amtshaus, der Gasthof und ein Teil des Gutshofes an die BSG verkauft. 1997 kam das ehemaliger Gärtnereihaus (jetzt Naturparkverwaltung) und der restliche Teil des Gutshofes dazu. Seit 1994 wird das Schlossensemble restauriert. Bisher flossen ca. 20 Mio. € in die Restaurierung. Seit Mitte 2005 steht die Nutzung des Schlossensembles fest. Das Wasserschloss mit dem Amtshaus und der Gutshofanlage wird zu einem Hotel der gehobenen Klasse ausgebaut. Ende 2007 wurde es eröffnet.

Arkardengang im Schloss, mit bunten BleiglasfensternJahrzehntelang waren die wertvollen Glasmalereien ausgelagert. Mitte der 70ger Jahre wurden diese ausgebaut und zur Restaurierung nach Dresden gebracht. Als die Gemeinde Fürstlich Drehna das Schloss 1990 übernahm, war zu befürchten, dass diese auf vielleicht "dunklen Wegen" verschwanden. Nach einigen Recherchen wurde die Manufaktur ausfindig gemacht. Sogleich fuhren der damalige Bürgermeister und der Vorsitzende des Kultur und Heimatvereins nach Dresden und stellten sicher, dass die Bleiverglasung vollständig war. Mit der Übergabe des Schlosses an die Brandenburgische Schlösser GmbH, wurden dann auch die noch restlichen Restaurierungsarbeiten an der Bleiverglasung fertig gestellt und danach in Potsdam zwischen gelagert. Mit der feierlichen Schlüsselübergabe am 20. Oktober 2007 kamen dann die Scheiben wieder zurück in das Wasserschloss von Fürstlich Drehna.